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Mein neues Video über die Insel Tabarca (Costa Blanca / Santa Pola) ist jetzt online.

La Isla de Tabarca

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Wahrheit oder Fälschung?

Dieser Beitrag beschäftigt sich nicht damit, wie man RAW-Fotos bearbeitet, sondern nur mit der Frage, ob es legitim ist, Rohdatenfotos zu machen. Im Rohdatenformat können nicht alle Kameras fotografieren, meist nur etwas teurere. Doch inzwischen gehen auch Smartphone-Hersteller (Apple) dazu über, ihren Kunden diese Möglichkeit anzubieten. Mit diesem Beitrag will ich nicht in die Tiefe gehen, sondern nur meine grundsätzliche Einstellung zu dem Thema beschreiben. Es geht hier nicht weniger als um die Foto-Philosophie.
Kurz gesagt: Wenn eine Kamera im RAW-Format aufzeichnet, schreibt sie alles auf den Chip, was sie erkennen kann. Diese Dateien haben ein erheblich größeres Datenvolumen, als z.B. komprimierte JPG-Dateien, manchmal das 4 bis 10-fache.

 

Aber worin liegt der Vorteil eines RAW-Daten-Fotos?

Der Vorteil liegt in den Möglichkeiten der Nachbearbeitung. Der nützt nur dem, der auch nachbearbeiten will oder kann. Damit kommen wir zu einem grundsätzlichen Punkt, der viel diskutiert wird. Der Nachbearbeiter benötigt aber auch einen fortschrittlichen PC daheim und gute Software (z.B. Lightroom und/oder Photoshop, im Abo sind da schnell 10 Euro im Monat fällig).

 

Ist Nachbearbeitung Fälschung?

Ich sehe das so: Heute ist die Nachbearbeitung nichts anderes, als die Entwicklung eines Fotos. Das haben Fotografen seit Erfindung der Fotografie so gemacht. Dazu muss man sich mal klarmachen, was in einer heutigen Kamera geschieht. Die Belichtung auf einen Sensor führt dazu, dass die in der Kamera verbaute und von Menschen entwickelte Software ein Foto digital auf ein Speichermedium zaubert. Das gespeicherte Bild ist also bereits durch ein Computerprogramm bearbeitet. Die Ausgabe wurde bereits von Menschenhand verändert. Als es noch Zelluloid gab, waren die Fotos je nach Hersteller des Filmes unterschiedlich. Heute entscheidet die Software des Kameraherstellers, was heraus kommt. Daraus ergibt sich für mich die Legitimation, die Ausgabe mit meiner eigenen Software auf meinem PC bearbeiten zu dürfen. Und das genau ermöglicht mir ein RAW-Daten-Foto.

 

Was ist Fälschung?

Fotografie ist Kunst und die Endausgabe ein Kunstwerk. Das muss man klar von der Dokumentation unterscheiden. Pressefotos mit Darstellung realer Ereignisse müssen wahrhaftig sein. Ein Kriegsberichterstatter darf zum Beispiel seine Fotos nicht verändern. Wir wissen alle, dass das Wunschdenken ist. Aber Fotografien von Landschaften, Lebewesen, Menschen usw. sind meist Kunstwerke, wenn sie nicht einer Berichterstattung mit Realitätsanspruch dienen. Meine Meinung: Reale Fotos und Videos gibt es heute eher selten.

 

Ist RAW-Fotografie mit Nachbearbeitung Fälschung?

Nein! Grundsätzlich holt man aus der Datei nur das heraus, was die Kamera aufgenommen hat. Oft habe ich festgestellt, dass ich erst hinterher ein Foto so abstimmen konnte, wie ich die wirkliche Realität der Szenerie bei der Nachbearbeitung in meinem Kopf vor Augen hatte. Das bedeutet, dass ich in der Nacharbeit das Foto dorthin bringe, wie ich die Szene vor Ort gesehen habe. Dass es dabei Fehlertoleranzen gibt, muss der Betrachter dem Künstler zugestehen.

 

Künstlerische Freiheit

Ich betrachte es als meine künstlerische Freiheit, störende Objekte aus dem Foto zu eliminieren. Wenn eine Stromleitung oder eine Mülltonne stört, entferne ich sie. Ich räume oft einen Strand in Photoshop auf und entferne Plastikflaschen, Bierdosen und Zigarettenkippen. Dass es sich bei meinem Produkt um die 100-prozentige Wahrheit handelt, schreibe ich nie unter mein Bild. Meine Fotos sehen so aus, wie ich die Welt gesehen habe, aber sehen will. Betrachter dürfen aber darauf vertrauen, dass sie zu 98,5 Prozent Realität zu sehen bekommen, das ein oder andere Plastikmüllteil aber entfernt wurde. Ich hätte natürlich vor dem Foto den Strand aufräumen können oder die Mülltonne aus der Szene schieben. Aber wer macht das schon.

 

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis

Hier ist ein Foto, vor und nach meiner Bearbeitung. Es war eine schwierige Situation. Ich reiste in die Region Nerpio, Castilla-La Macha, um Fotos von der Milchstraße zu machen. Schon mittags war ich dort, um geeignete Standorte für die Nacht zu finden. Die Höhe von mehr als 1000 m ü. NN hatte ich nicht auf dem Plan. Zu schnell hatte ich mir einen massiven Sonnenbrand geholt (ungeeignete Kleidung). Es war später Nachmittag. Ich wollte auf die Burg, aber ich fand keinen geeigneten Aufstieg. Mein Kamera-Equipment behinderte mich sehr. Im Grunde wollte ich nur noch ins geschützte Auto. Schnell habe ich ein paar Aufnahmen von der Burg und den Schafen gemacht. Zu Hause sah ich dann das Resultat: Alles zu hell, überbelichtet, nicht gut.

Zum Glück habe ich im RAW-Format aufgenommen. Mit JPG wäre das Bild verloren. Die Farbanpassungen, perspektivischen Fehler und den Sensorfleck habe ich mit Lightroom (Adobe) korrigiert und die Stromleitung mit Photoshop aus dem Bild entfernt. Hier ist ein Vorher-Nachher-Vergleich. Urteile selbst, ob du das akzeptieren kannst oder willst.

Das ist das aufgenommene Foto. Ich wollte es löschen, bis ich mich besonnen habe, dass es ein RAW-Foto ist._X0A7663

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann habe ich in Lightroom die „Lichter“ herunter gezogen, etwas „Klarheit“ hinein gebracht, die Luminanz von Blau etwas verringert und den Bildausschnitt verändert auf 16:9. Die Weitwinkel-Verzerrung entfernt Lightroom automatisch, indem die Software mein Objektiv erkennt. Es folgen einige weitere Korrekturen. Mit der Übergabe von Lightroom an Photoshop (shortcut) entferne ich noch die Stromleitung. Fertig ist das Endprodukt, gespeichert als JPG.
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Bitte bedenke: RAW-Fotos sind unbearbeitet nicht so attraktiv wie ein JPG-Bild. Bei JPG wird ein Schwarz-Weiß-Foto erstellt, die Farbe darüber gelegt und dann komprimiert gespeichert. Nacharbeit ist dann nur noch bedingt möglich. Ein RAW-Foto enthält alle Informationen aller Farbkanäle, ist dafür sehr speicherintensiv, hat aber ein enormes Potential in der Nacharbeit. Man ist aber bei RAW zur Nacharbeit gezwungen.

Bei den meisten Kameras, die RAW-Fotos aufzeichnen können, gibt es die Wahl, ob man nur RAW oder auch RAW + JPG aufnehmen will. Ich nehme nur mit RAW auf, weil ich ausnahmslos jedes Foto bearbeite. Wer aber nur das ein oder andere Foto bearbeiten will und ansonsten Wert darauf legt, dass seine Fotos schnell verfügbar, zeigbar oder online-fähig sein sollen, der sollte zusätzlich JPG mitspeichern lassen. Dann hat er freie Wahl.

Wie macht man bessere Fotos? Ein paar Tipps, wie gute Fotos gelingen.

 

Viele meinen, dass es mit dem Kauf einer guten Kamera getan ist. Doch zunächst ist die Frage, mit welchem Gerät man fotografiert, weniger wichtig. Gute Fotos entstehen im Kopf und sind ein Produkt der Willenskraft. Einfache Consumer-Kameras oder Smartphones sind heute technisch soweit entwickelt, dass man mit ihnen richtig tolle Bilder schießen kann, zumindest bei günstigen Umgebungsvoraussetzungen. Grenzen erreicht man erst bei schwierigen Lichtverhältnissen, wie Gegenlicht, Dunkelheit oder bei schnellen Motiven, wie zum Beispiel bei der Tierfotografie, besonders wenn die Objekte weiter entfernt sind.

Ambitionierte Fotografen kommen heute kaum noch ohne Nachbearbeitung am PC aus, sie entwickeln ihr Foto sozusagen. Aber nicht jeder kann das. Auch ohne Nachbearbeitung gelingen sehr gute Fotos, wenn man nicht unmotiviert drauflos knipst, sondern sich Gedanken um sein Bild macht.

Sehenswerte Fotos macht man selten im Vorbeigehen oder aus dem Autofenster heraus. Das bedeutet, dass man sich Mühe geben und bereit sein muss, Anstrengungen in Kauf zu nehmen. Man kann jedes Motiv auf sehr unterschiedliche Art und Weise fotografieren. Wer wirklich gute Fotos machen will, hält einen Moment inne und überlegt sich genau, von wo aus und in welchem Winkel man das entdeckte Motiv ablichtet. Es geht um die Bildkomposition.

 

Bildkomposition

Nehmen wir ein Beispiel: Du siehst ein Schiff im Hafenbecken. Suche nach der besten Aufnahmeposition. Schau dich um, was es sonst noch in der näheren Umgebung gibt. Vielleicht entdeckst du einen Haufen aus einem Fischernetz oder einen Festmacher (Poller). Gehe mal in die Hocke und versuche, einen interessanten Vordergrund in dein Foto einzubinden. Es muss nicht immer ein Vordergrund eingebaut werden, wenn z.B. der Himmel interessant ist, weil er spannende Wolken zu bieten hat. Dann nehme mehr Himmel in dein Bild, vielleicht 2/3 Himmel und 1/3 Bodenmotiv. Ist der Himmel langweilig, z.B. ein Einheitsblau, dann gebe ihm nur 1/3 Raum im Foto und optimiere den Bildvordergrund (vorne der Poller, dahinter das Schiff und oben noch etwas blauer Himmel).

Ein Vordergrundmotiv gibt dem Bild mehr Tiefe.
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Motivplatzierung

Setze Hauptmotive wie Personen, ein Denkmal, einen Kirchturm oder andere Objekte öfters außerhalb der Mitte ins Bild. Eine gute Regel ist, wenn du dein Bild geistig in der Mitte in zwei Hälften teilst und dein Motiv ungefähr in die Mitte der linken oder rechten Bildhälfte Platz findet.

Es wirkt interessanter, wenn das Hauptmotiv nicht in der Bildmitte steht.windmuehle

Geometrie

Versuche, geometrische Formen im Gesamtbild zu erkennen. Oft lassen sich anhand geometrischer Linien sehr interessante Bilder schießen. Beispiel: Eine Straße, die von deinem Standpunkt Richtung Horizont läuft. Lasse eine diagonale Linie genau in einer Bild-Ecke entstehen. Oder du stehst auf einem Weg mit Geländern rechts und links, vielleicht auf einer Fußgängerbrücke. Achte auf die Symmetrie, so dass das Motiv auf beiden Seiten der Symmetrieachse gleich aussieht. Lasse die Geländer aus beiden unteren Bild-Ecken heraus zur Mitte laufen, das gibt dem Foto einen Pfiff.

 

Bei diesem Motiv bin ich in die Hocke gegangen, damit die Außenlinien des Weges in die unteren Bildecken laufen. Zudem habe ich dem finsteren Wolkenhimmel viel Platz eingeräumt.IMG_1269wz

 

Variieren

Landschaftsaufnahmen wirken meist besonders gut, wenn man weitwinklig fotografiert. Ein See, ein Bergmassiv oder in interessantes Tal braucht viel Raum. Mit vielen Geräten sind heute Panoramafotos möglich. Hier empfehle ich aber, nicht zu extrem breite Fotos zu schießen, denn selbst auf einem großen Monitor sieht man später nur noch einen schmalen, belichteten Streifen in der Mitte und man muss mit der Nase dicht an den Screen, um etwas erkennen zu können. Beim Panorama gilt: So weit ziehen, wie es das Motiv benötigt. Eine Bucht, die links und rechts von Felsen eingerahmt ist, fotografiert man am besten so, dass links und rechts noch etwas von den Felsen zu sehen ist. Und bedenke, dass das Format 16:9 im Prinzip schon ein Panoramaformat ist.

Bei Details gibt es oft sehr gelungene Fotos, wenn man nur Ausschnitte fotografiert, z.B. nur einen Teil eines schönen Fensters, einer interessanten Tür. Und gehe auch mal nah ran an eine Blume und nutze die Makroeigenschaften deines Fotogerätes.

Anstrengungen

Gehe öfters ein paar Meter zusätzlich, klettere mal einen Hang hinauf oder herab. Du findest sehr oft einen noch besseren Standort für dein Motiv als dort, wo du das Motiv entdeckt hast. Gehe in die Hocke oder stelle dich auf ein Podest. Es lohnt sich. Achte aber immer auf deine Gesundheit, denn es sind schon so einige Selfie-Spezialisten vom Berg gefallen.

Der Rechteck-Blick

Gehe mit offenen Augen durch die Gegend und versuche zu lernen, die Umwelt rechteckig umrahmt zu betrachten. Bei mir ist das im Laufe der Zeit so geschehen. Heute sehe ich nahezu alles mit einem Fotoblick. Darum springen mir ständig Motive ins Auge. Du kannst auch ohne Kamera mal mit Daumen und Zeigefingern beider Hände ein Rechteck bilden und dir vor die Augen halten. Bewege deine Hände und deinen Kopf und fange an, Bilder zu komponieren. Und schon bist du auf dem Weg zum besseren Fotografen.

 

 

Sternenhimmel und Milchstraße fotografiert in Nerpio, Castilla-La Mancha

Für die Sternenfotografie ist es wichtig, lichtschwache Orte zu finden. Hier ist ein Link, hinter dem man Karten zum Download findet (ganz unter auch welche, die sich in Google Earth laden lassen):

 

http://www.lichtverschmutzung.de/seiten/karten.php

 

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